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FSJ – Freiwilliges Soziales Jahr

In Deutschland geht die „Erfindung FSJ“ auf Ideen der Kirchen zurück. 1954 appellierte der Leiter einer Diakonissenanstalt und späterer Landesbischof von Bayern an die weibliche katholische Jugend, ein Freiwilliges Diakonisches Jahr zu absolvieren. So sollten die jungen Frauen ab 18 Jahre für ein Taschengeld und gegen Verpflegung einen freiwilligen Dienst in der Kranken- und Altenpflege leisten ohne gleich Diakonissen zu werden.
Im Jahr 1962 wurde von evangelischer Seite der "Philadelphische Dienst" ins Leben gerufen. Hierbei sollten ausschließlich Abiturientinnen bevor sie mit einem Studium begannen mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr die Möglichkeit zur persönlichen und beruflichen Orientierung erhalten. Zur damaligen Zeit gab es Sozialdienst in Form des Zivildienstes nur für Männer, und zwar verpflichtend. Jener Piladelphische Dienst gilt als Vorläufer und Vorbild des bundesweit gesetzlich festgeschriebenen "Freiwilligen Sozialen Jahres". Denn bereits ein Jahr später war das FSJ geboren.
Die Einsatzfelder des Freiwilligendienstes liegen vorwiegend im sozial-karitativen bzw. gemeinnützigen Feld. Das FSJ wird aber auch in Bereichen von Kultur, im Sport, in der Politik oder in der Denkmalpflege abgeleistet.
Einsatzstellen können z.B. ein Krankenhaus, ein Alten- und Pflegeheim, ein ambulanter Pflege- oder Sozialdienst, eine Denkmalpflegebehörde oder ein Denkmalpflegeverein, eine Gedenkstätte, ein Sportverein/ Sportverband, ein Kindergarten oder eine Kindertagesstätte sein. Auch Einrichtungen für Menschen mit Behinderung, ein Sanitäts- und Rettungsdienst oder Kirchengemeinden bieten häufig FSJ-Stellen an. Im Bereich der Kultur werden die Stellen im Theater, einem Museum, bei Radio- oder Fernsehgesellschaften, im Kulturverein sowie einem Archiv angeboten. Oder aber auch in einem Jugendclub, im Jugendstrafvollzug in freien Formen, in einer Förderschule, einer Ganztagsschule oder bei der Freiwilligen Feuerwehr kann ein FSJ abgeleistet werden. Bei Interesse können ggf. auch mehrere Einsatzgebiete miteinander verbunden werden.
Ein FSJ kann auch im Ausland absolviert werden. Vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend wurde der Internationale Jugendfreiwilligendienst eingerichtet. Bis zur Aussetzung der Wehrpflicht war es möglich, das FSJ Ausland als Wehrersatzdienst zu absolvieren. Seither hat das FSJ im Ausland als Rechtsform stark an Bedeutung eingebüßt und ist praktisch bedeutungslos geworden. Trotzdem wird die Bezeichnung „FSJ im Ausland“ umgangssprachlich häufig als Synonym für einen Freiwilligendienst im Ausland genutzt.
In Deutschland können Jugendliche und junge Erwachsene, die die Vollzeitschulpflicht erfüllt und das 27. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, einen Freiwilligendienst im sozialen oder ökologischen Umfeld ableisten. Außerdem sind die Freiwilligen in ihrer rechtlichen Stellung vergleichbar mit einem Auszubildenden. Zwar ist der Freiwilligendienst im FSJ/FÖJ kein Arbeitsverhältnis, dennoch hat der Freiwillige eine ähnliche Rechtsstellung wie ein Auszubildender. Vor allem hinsichtlich der Ausgestaltung des FSJ/FÖJ kommen insbesondere die arbeitsrechtlichen Vorschriften zur Anwendung, die ein Ausbildungsverhältnis betreffen.
Die Freiwilligen bekommen meist eine finanzielle Vergütung, die als Taschengeld bezeichnet wird. Zu diesem Verdienst kommen Verpflegung, Unterkunft und eine Fahrtkostenerstattung hinzu. Die Höhe des Taschengeldes ist von Träger zu Träger durchaus unterschiedlich, darf € 363,- jedoch nicht überschreiten. Gravierende Unterschiede gibt es häufig sogar bei unterschiedlichen Einsatzstellen ein und desselben Trägers. Falls Unterkunft und Verpflegung nicht gestellt werden (können), wird beides finanziell vergütet.

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